Hardangervidda Tag 8 – Von Hellevasbu nach Haukeliseter

13. August 2014

Es ist so gut wie geschafft! Wir erwachen mit dem Gedanken dass wir heute abend bereits in Bergen und weit weg von der Hardangervidda sein werden, aber bis dahin ist noch eine relativ lange Strecke zu schaffen. Das Wetter ist wieder schlechter geworden, aber es stört uns kaum noch, wie bereits gestern stürmt es nicht mehr, und der Regen ist kein großes Problem. Nach 7 Tagen weit entfernt von weltlichen Problemen werden wir nun wieder damit konfrontiert: In Haukeliseter fahren nur sehr unregelmäßig Busse nach Bergen. Einer fährt um 15.30Uhr, einer gegen 18Uhr. Da wir noch kein Hotel gebucht haben wäre der erste sinnvoller, allerdings wird es knapp die ganze Strecke bis dahin zu schaffen. Wir entscheiden uns daher es gemütlich angehen zu lassen. Der Hüttenwirt versichert uns dass es in Haukeliseter Internet gibt und planen von dort ein Hotel zu buchen, da wir erst gegen 23Uhr in Bergen sein werden.

P1010793Nun aber erstmal genug davon, noch sind wir nicht fertig mit Trekking – Strom, Busse, oder gar Internet sind noch immer weit entfernte Dinge! Laut Höhenprofil besteht die Tour eigentlich nur aus einem einzigen Anstieg direkt am Anfang, der noch dazu recht human aussieht. Danach soll es nur noch bergab gehen bis Haukeliseter. Los gehts also, der Anstieg ist tatsächlich nicht so schwierig, jedoch zeigt sich bereits nach einer Stunde: Es ist bei weitem nicht der letzte des Tages. Vor uns erstreckt sich ein Bergrücken mit sehr viel Schnee, und wir müssen über das Schneefeld aufsteigen. Kurz vorher treffen wir noch zwei Schweizerinnen die im Prinzip unsere Tour rückwärts laufen wollen und gestern gestartet sind. Wir wünschen viel Spaß und besseres Wetter und marschieren weiter. Nach dem anstrengendem Aufstieg sehen wir vor uns den nächsten Bergrücken den es ebenfalls zu besteigen gilt. Schöne Landschaften können die Norweger, keine Frage, aber Höhenprofile sind nicht ihre Stärke… Trotzdem ist die Landschaft hier wirklich schön, wir laufen an Wasserfällen und Seen entlang und genießen die Ausblicke die sich trotz Regenwolken immer wieder ergeben.

P1010799Wir haben nun den Nationalpark wieder verlassen, was man unschwer daran erkennen kann dass die Seen nicht mehr rein natürlich sondern aufgestaut sind. Ein letzter Blick ins Trekkingbuch verrät: Wenn man den letzten höheren Punkt erklommen hat sieht man ins Tal zum See an dem das Ziel der Tour liegt. Allerding solle man sich nicht täuschen lassen, es dauert noch gute 1,5h bis nach Haukeliseter. Kaum zu glauben, denn die zwei Seen im Blickfeld sind wirklich sehr nah, man hört sogar schon die LKWs auf der Straße. Trotzdem hat das Buch natürlich wieder untertrieben, es dauert insgesamt fast 2h bis wir den letzten Abstieg der Tour erreichen. Unter uns, in unglaublich greifbarer Nähe lieht sie, die DNT-Hütte Haukeliseter. Nach 15 Minuten Abstieg auf einem total durchweichten Trampelpfad erreichen wir den Parkplatz. Geschafft! Richtige Euphorie mag aber nicht aufkommen, es regnet nun in Strömen, sonderlich schön ist es hier an der Straße auch nicht. Also erstmal raus aus den nassen Sachen, wir können sie im Trockenraum aufhängen, denn nun haben wir über zwei Stunden Aufenthalt.

P1010803Das Restaurant ist nichts besonderes. Wir wollten dort ursprünglich etwas essen, aber ich habe keinen großen Hunger und die Selbstbedienungstheke sieht auch nicht einladend aus. Wir bestellen Kaffee (keine gute Entscheidung, er schmeckt echt mies) und Kuchen und fragen nach dem Wlan-Passwort. Nun heißt es erstmal ein Hotel in Bergen buchen, wie sich herausstellt ist da gar nicht so einfach. Die Innenstadt von Bergen ist deutlich kleiner als gedacht, die meisten Hotels liegen preislich deutlich über unseren Vorstellungen. Da wir aber zur Erholung da sind, und auch nicht weit ausserhalb wohnen wollen, buchen wir letztendlich ein Zimmer im „Scandic Neptun“ nahe des Hafens und geben an dass wir um 23 Uhr dort eintreffen werden. Die Busfahrt zahlt man direkt beim Fahrer, die Zeiten haben wir nochmal gecheckt, also ist erstmal alles erledigt. Ich kämpfe gegen die Müdigkeit an, hier in der warmen Stube fällt so langsam die ganze Erschöpfung von mir ab.

IMG_0515Der Bus kommt mit 15 Minuten Verspätung in Haukeliseter an, eigentlich ganz ok wenn man bedenkt dass er schon den ganzen Weg von Oslo hinter sich hat. Die Rucksäcke werden unten im Gepäckraum gelagert und los gehts. Eigentlich wollte ich schlafen, doch die Landschaft um uns herum ist einfach zu schön. So lassen wir also die Hardangervidda hinter uns und fahren in Richtung Bergen, vorbei an spektakulären Wasserfällen, über Pässe, vorbei an Fjorden, und das Highlight: Mit dem Bus auf einer Fähre über den Hardangerfjord! Um kurz nach 22Uhr erreichen wir schließlich ziemlich pünktlich den Busbahnhof in Bergen.

Noch ein letztes mal schultern wir das Gepäck und laufen durch den Ort zum Hotel. Unterwegs treffen wir viele Studenten die alle irgendeine verrückte Party feiern, jedenfalls sind sie als Römer verkleidet, die meisten mit Bademänteln, je nach Alkoholkonsum mehr oder weniger freizügig. Hilfsbereit sind sie aber, das muss man sagen, denn als wir etwas hilflos auf die Straßennamen schauen fragt sofort einer wo wir hin müssen und weist uns den Weg (sogar den richtigen). So erreichen wir also das Hotel, aber in der Lobby kommen wir uns ziemlich fehl am Platz vor, alles glänzt und strahlt, wir hingegen sind naß, dreckig und brauchen dringend mal wieder eine Dusche die nicht nur aus kaltem Seewasser besteht. Das ist es jetzt also wirklich, das Ende der Hardangervidda-Durchquerung. Zurück in der Zivilisation, einerseits froh dass es geschafft ist, andererseits auch schade dass Stress und Hektik der Stadt uns nun wieder eingeholt haben.


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