Neuseeland – Nelson Lakes und Waiau Pass

10. September 2017

Wunderschöne aber unglaublich anstrengende 5 Tage im Nelson Lakes National Park, Waiau Pass und Boyle River Valley. Der Regen lässt uns nur kurze Zeitfenster in denen wir schnellstmöglich große Distanzen zurücklegen müssen. Daraus resultiert mein erster Marathon. Zeit: 13 Stunden… Ein Highlight!

Nach 2 Tagen Pause in Nelson verabschiede ich mich von Christina und Jojo und fahre alleine mit dem Bus nach Saint Arnaud um meine nächste Etappe zu beginnen. Die Wettervorhersage ist mies, aber ich möchte schon vor Ort sein falls es doch besser wird. Am ersten Tag reicht es immerhin zu einem halbtägigen Ausflug auf die Saint Arnaud Range von wo aus man einen schönen Blick auf die Umgebung hat. Doch gegen Nachmittag kommt schon die Regenfront an und ich sitze die nächsten 2,5 Tage im Dauerregen fest.

Im Hostel kommen immer mehr Wanderer an die hier feststecken, und alle wollen die gleiche Etappe laufen wie ich. So finde ich schnell eine neue Gruppe, und als der Regen endlich nachlässt laufen wir zu sechst los: Flo, Becky I und Becky II aus Deutschland, Christophe aus Frankreich und Tom aus Neuseeland. Wir haben laut Wetterbericht 2 schöne Tage bevor es wieder mindestens einen Tag regnet, daher müssen wir schnell voran kommen. Die anderen legen ein ordentliches Tempo vor, die meisten haben schon die ganze Nordinsel zu Fuß hinter sich. Ich gewöhne mich aber auch ans Tempo und komme gut hinterher.

Wir folgen zunächst dem beliebten Travers-Sabine-Circuit bis zur Upper Sabine Hut. Die Gegend ist unglaublich schön, allerdings durch den Regen ziemlich überschwemmt. Regelmäßig müssen wir durch knietiefe Bäche queren oder über matschige Wiesen stapfen. Aber wenn die Schuhe erst einmal nass sind ist es sowieso egal. Der Höhepunkt des ersten Teils ist der Travers Saddle (1787 m) mit einem tollen Ausblick auf den Nelson Lakes National Park.

An der Upper Sabine Hut holt uns dann der Regen ein, wir sitzen bis nachmittags fest und gehen erst spät los auf die kurze Etappe zur Blue Lake Hut. Der Waiau Pass liegt direkt vor uns, und die Wettervorhersage ist schlecht. Die kommenden Flussüberquerungen werden bei Regen zu gefährlich, wenn wir uns nicht beeilen müssen wir wieder umdrehen. Einen halben Tag ohne Regen haben wir noch, daher beschließen wir eine harte Etappe einzulegen: 42km, 800m rauf, 1200m runter, dazu viele kleine Flussquerungen. Wow, das wird hart!

Um 5 Uhr klingelt der Wecker, um 6 Uhr ist mit dem ersten Licht Abmarsch. Unsere Gruppe ist nochmal größer geworden, Urte, Frits und Suvi haben sich uns noch angeschlossen. Alle wollen vor dem Regen über den Pass und durch den Ada River kommen, ansonsten drohen 1-2 Tage im Zelt bis der Fluss wieder passierbar wird. Urte und Frits geben ein Höllentempo vor, schon um 9 Uhr sind wir am Waiau Pass und genießen kurz den Ausblick. Allerdings ziehen schon Regenwolken auf und es wird unangenehm kalt. Entlang des Waiau Rivers müssen wir immer wieder kleine Bäche furten, aber kommen trotzdem gut voran. Ich habe beschlossen am Caroline Bivvy zu bleiben wenn wir nicht vor 14 Uhr ankommen, allerdings machen wir dort bereits um 12 Uhr Mittagspause.

Es ist nun mehr als genug Zeit um zur Anne Hut zu kommen, und ich reduziere das Tempo etwas. Auch Tom hat wenig Lust den anderen hinterher zu hetzen, so lassen wir es zusammen etwas „gemütlicher“ angehen, was allerdings lediglich bedeutet dass wir nicht mehr joggen und auch mal ein paar Bilder machen. Der potentiell gefährliche Ada River war trotz einsetzendem Regen gut zu durchqueren. Die Strömung war zwar stark, aber wir konnten gerade noch alleine furten. Gegen 19 Uhr war ich fix und fertig auf der Anne Hut, aber stolz es geschafft zu haben!

Die restlichen 30 km nach Boyle Village waren nicht minder schön, aber deutlich weniger anstrengend. Die Gruppe hat sich wieder etwas gelichtet, manche sind die Strecke gleich am nächsten Tag komplett gelaufen, ich habe sie auf zwei Tage aufgeteilt. Am Ende haben wir uns alle wieder in Hanmer Springs getroffen, ein Touristenort mit Bars, Restaurants und heißen Quellen. Genau das richtige um sich von 5 harten Tagen in der Wildnis zu erholen!

Fazit: Beste Etappe in meiner Zeit in Neuseeland. Nette Gesellschaft, fantastische Landschaft und Eindrücke. Trotz teils sehr schlechtem Wetter (die Bilder täuschen!) eine unglaublich schöne Woche. Ich habe Freude am schnellen Wandern gefunden, und gelernt dass ich an einem Tag deutlich weiter kommen kann als gedacht. Das wird die Planung meiner nächsten Etappen maßgeblich verändern.

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