Vier Tage im Schwarzwald auf dem Westweg

Wandern im Schwarzwald – das ist doch langweilig…? Denkste, der Westweg hat es in sich! In vier Tagen wandern wir von Pforzheim nach Freudenstadt und ich erkenne wie wenig ich von meiner früheren Heimat bisher gekannt habe. Alte Burgen, hohe Türme, dichte Wälder, tolle Ausblicke, steile Anstiege und lange Etappen – es wird alles geboten.

15 Jahre habe ich im Nordschwarzwald gewohnt, genau so lange wohne ich nun schon nicht mehr dort – Zeit zurückzukehren! Der Westweg führt von Pforzheim bis nach Basel der Länge nach durch den Schwarzwald. Für die gesamten 290km werden für gewöhnlich 12 Etappen veranschlagt, im Schnitt also 24km pro Tag. Das ist sportlich, auch wenn sich die Höhenmeter im Vergleich zu Alpentouren meist in Grenzen halten. Die Wege sind aber gut ausgebaut, besondere technische Anforderungen gibt es nicht. Da wir nur vier Tage Zeit haben, starten wir in Pforzheim und laufen bis zur Alexanderschanze, bzw. nach Freudenstadt.

Pforzheim – Dobel

Nach etwas Pech mit verpassten und verspäteten Zügen, erreichen wir Pforzheim erst gegen halb 11. Am ersten Tag stehen direkt 26km und einige Höhenmeter an, daher müssen wir uns etwas beeilen. Es ist schon sehr heiß, aber der Weg aus der Stadt heraus ist schöner als befürchtet und wir kommen gut voran. Eine freundliche Anwohnerin gibt uns noch den Tipp dass wir in Birkenfeld lieber an der Enz entlang laufen sollen um der Sonne zu entgehen. Ein sehr guter Ratschlag, so erreichen wir Neuenbürg ohne Sonnenstich.

Auf Schloß Neuenbürg sitzen wir bei leckerem Kuchen ein kurzes Gewitter aus, dann geht es regenfrei weiter und steil bergauf. Nun verlassen wir endgültig die dichter besiedelte Region und kommen richtig in den Schwarzwald. Unterwegs begegnen uns immer mehr Wanderer mit großen Rucksäcken, einige davon treffen wir in den nächsten Tagen immer wieder. Mit leichten Problemen in der Wegführung (der Westweg wurde teilweise umgeleitet und war nicht mehr so gut ausgeschildert), erreichen wir Dobel. Feierabendbier, duschen, essen gehen – so endet ein schöner Tag und eine vielversprechende erste Etappe.

Dobel – Forbach

Nachts zieht ein Unwetter über Süddeutschland, es gewittert und stürmt heftig. Zum Glück haben wir uns für leichtes Gepäck statt Zelt entschieden, im Hotel ist es gerade deutlich gemütlicher. Morgens ist aber wieder alles vorbei, nach einem ausgiebigen Frühstück ziehen wir los. Die zweite Etappe des Westwegs führt fast ausschließlich durch Wald, Kaltenbronn ist der einzige Ort zwischen Dobel und Forbach. Praktischerweise liegt es genau auf der Hälfte der Strecke und wir nutzen das gemütliche Café für Apfelstrudel und Kaffee. Etwas unschön war bis hierher eine weitläufige Umleitung des Westwegs wodurch wir viel Schotterpriste statt urige Pfade hatten.

Mittags folgt dann der bisher schönste Teil des Westwegs. Durch das Kaltenbronner Moor kommen wir zum Hohloh-Turm, von dem aus man einen herrlichen Blick über Nordschwarzwald, Murgtal und in die Rheinebene hat. Danach erwartet uns der lange und steile Abstieg nach Forbach. Wir sind zwar darauf vorbereitet, aber dennoch ist es anstrengend, vor allem wenn man das Ziel schon sieht, es aber trotzdem noch so weit weg erscheint. Im Hotel angekommen dann wieder das bekannte Prozedere: Feierabendbier, duschen, essen gehen. Auch heute war wieder ein langer Tag mit 27km Strecke bei herrlichem Wetter.

Forbach – Darmstädter Hütte

Die dritte Westweg Etappe führt von Forbach nach Unterstmatt und ist mit 19km vergleichsweise kurz. „Kein Problem“ dachte ich mir, das kann man ja etwas länger machen um am vierten Tag weniger laufen zu müssen. Schlechte Idee… Der Tag beginnt erbarmungslos mit 800 Höhenmeter Aufstieg von Forbach hinauf auf die Badener Höhe. Wir passieren die unspektakuläre Schwarzenbach Talsperre, ansonsten gibt es nicht viel zu sehen bis wir auf 1000m den Hauptkamm des Schwarzwalds erreichen. Doch ab hier kommen wir aus dem dichten Wald heraus und haben traumhafte Blicke über das Rheintal bis zu den Vogesen. Auch auf der Badener Höhe steht wieder ein Aussichtsturm den wir natürlich besteigen um einen noch besseren Rundumblick zu haben.

Kurz vor Sand machen wir Pause im Naturfreundehaus, es ist schon Mittagszeit. Prinzipiell liegen wir gut in der Zeit, aber es gibt auch noch einige Kilo- und Höhenmeter zu meistern. Erste leichte Zweifel an der Planung des Tagesziels kommen auf. Also schnell weiter, das nächste Zeil ist Unterstmatt. Der Weg dorthin ist nichts besonderes und verläuft recht lange parallel zur stark befahrenen Schwarzwaldhochstraße. Um 15:30Uhr und nach 19km kommen wir an und sind etwas erschrocken von den Wegweisern: Bis zum Ruhestein sollen es noch 13km sein, die Darmstädter Hütte ist nur kurz davor. Von hier noch gute 10km?! Das wird hart, vor allem gibt es dort nur bis 19 Uhr warmes Essen…

Der letzte Aufstieg zur Hornisgrinde ist dann dafür wieder sehr schön, und der Ausblick vom höchsten Berg des Nordschwarzwalds entschädigt für die Mühen. Nach einer kurzen Pause gehen wir um 17 Uhr weiter. Auf der Hütte haben wir Bescheid gegeben dass wir noch kommen und zwei große Portionen Spaghetti wollen. So haben wir nun zum Glück nicht mehr so großen Zeitdruck und können die letzten Kilometer doch noch genießen. Dennoch lassen wir den Umweg zum Mummelsee aus, wir waren dort sowieso erst vor 3 Wochen. Um 18:30Uhr erreichen wir die Hütte: Feierabendbier, Spaghetti und duschen – Herrlich! 29km und 1200Hm bei viel Sonne, das war anstrengend… Nächstes Mal vielleicht doch nur bis zum Ochenstall?

Darmstädter Hütte – Kniebis – Freudenstadt

Ein letztes Mal die Schuhe anziehen, es wartet eine der schönsten Westweg Etappen. Über Ruhestein, Schliffkopf und Zuflucht laufen wir zur Alexanderschanze und weiter zum Freudenstädter Ortsteil Kniebis. Den gesamten Tag über haben wir tolle Blicke ins Rheintal und zu den Vogesen auf der einen Seite, und zur Schwäbischen Alb auf der anderen. Einziger Nachteil ist der etwas langweilige Schotterpfad, den Sonntags auch viele Radfahrer nutzen, aber das Panorama entschädigt locker dafür.

Ursprünglich war angedacht vom Kniebis noch nach Freudenstadt zu laufen, doch das wären wieder 29km gewesen. Daher nutzen wir dankbar unsere Gästekarte und fahren die letzten 10km mit dem Freizeitbus. Auf dem größten Marktplatz Deutschlands endet für uns bei Kaffee und Eisbecher der Westweg – vorerst! Wir kommen bestimmt wieder zurück und laufen auch noch die weiteren Etappen. Es hat uns sehr gut gefallen im Schwarzwald. Langweilig war es jedenfalls nicht, und bei einem Schnitt von 25km pro Tag auch nicht zu leicht.

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