Kanada – Jasper, Banff und Yoho Nationalpark

1. Dezember 2016

Regenbogen in JasperDas Ziel unseres Jahresurlaubes ist 2016 der Westen von Kanada, bzw. eine Tour durch die Nationalparks Jasper, Banff und Yoho in den kanadischen Rocky Mountains. Wir haben 3 Wochen Zeit und im Voraus absichtlich wenig geplant, denn wir wollen spontan agieren können. Lediglich die ersten Unterkünfte, den Mietwagen und die erste Trekking-Tour in Jasper haben wir bereits von Deutschland aus organisiert. Spät am Abend landen wir in Vancouver, holen das Auto ab und fahren ins Hotel. Am nächsten Morgen geht es dann schnell raus aus der Großstadt und rauf auf die Autobahn, wo wir (bzw. der Tempomat) 10 Stunden geradeaus fahren. Zumindest gefühlt. Immerhin wird die Landschaft immer toller, je näher wir den Rocky Mountains kommen. Etwas langwieriger Urlaubsbeginn, aber jetzt kann es losgehen.

Jasper Nationalpark

Jasper BreweryJasper ist ein kleines Nest in der Wildnis, wo es außer Touristen und Güterzügen nichts gibt. Drumherum ist dafür die fantastischste Landschaft die man sich vorstellen kann (zumindest wenn man Wald und Berge mag). Wir wohnen in einem Zimmer (Home Accomodation) bei einer unglaublich netten Familie und bekommen sofort jede Menge Tipps was wir unbedingt sehen müssen, wo wir essen gehen sollen und wo lieber nicht und was sonst so passiert rund um Jasper. Im Ort gibt es gibt jede Menge Cafés, Souvenir-Shops, Outdoor-Läden und Restaurants. Bei den Restaurants empfehlen wir ausdrücklich The Raven und The Olive: beide eher teuer, aber sehr lecker und auch mit guter vegetarischer Auswahl. Außerdem ist der Burger im Earl’s sehr lecker.

Unsere Aktivitäten in Jasper:

  • Opal Hills Trail, Maligne Lake: Leider sehr regnerisch und null Aussicht, außerdem merken wir dass die dünnen Handschuhe im kanadischen Herbst nicht ausreichen und kaufen neue.
  • Maligne Canyon: Spaziergang um eine sehr eindrucksvolle Schlucht unweit von Jasper.
  • Edith Lake: Spaziergang um einen kleinen See, ebenfalls direkt am Ort gelegen.
  • Wildwasser Rafting: Tagesausflug zu einer Rafting-Tour im Mount Robson Provincial Park. Sehr lohnenswert, aber kalt kalt kalt (vor allem die Mann-über-Bord-Übung im Gletscherwasser).

Tonquin Valley

Tonquin ValleyUnser „Hauptvorhaben“ im Jasper Nationalpark ist eine 5-tägige Wanderung mit Zelt im Tonquin Valley. Früh am Morgen starten wir in Jasper und stellen das Auto am Marmot Basin ab. Bereits im Vorfeld mussten wir angeben auf welchen Camp Sites wir übernachten wollen, das nimmt einem leider die Flexibilität, sorgt aber dafür dass sehr wenig los ist (wobei das schlechte Wetter auch geholfen hat). Jedenfalls treffen wir selten mehr als 10 Personen am Tag; eine Zahl die man in den Alpen meistens bereits am Parkplatz übertrifft.

Beim Maccarib CampWir folgen dem Fluss Portal Creek immer weiter ins Tal hinein, und mit jedem Kilometer den wir zurücklegen breitet sich die unglaublich weitläufige Landschaft noch mehr aus. Nichts, von dem Pfad auf dem wir laufen einmal abgesehen, deutet auf die Anwesenheit von Menschen hin. Weit und breit sieht man keine Häuser, keine Straßen, keine Menschen und es gibt keinen Lärm. Nach ca. 3 Stunden erreichen wir den ersten Campingplatz, wo wir zwar nicht übernachten, aber schon mal sehen was uns erwartet: eine eingeebnete Fläche fürs Zelt, ein freistehendes Plumpsklo ohne Wände und eine Vorrichtung um essen aufzuhängen damit keine Bären drankommen. Diverse Gespräche und Berichte haben uns auf sehr matschige Wege eingestellt. Bis hierher denken wir: Alles übertreiben, so schlimm ist es doch gar nicht. Ist es doch. Aber erst später.

Beim Maccarib CampEntlang des Maccarib Creek laufen wir zum Maccarib Camp, wo wir die erste Nacht verbringen. Es ist ziemlich kalt, immer wieder schneit es leicht, daher verbringen wir nur wenig Zeit außerhalb des Zelts und sind spätestens mit Sonnenuntergang im Schlafsack. Am nächsten Tag lassen wir das Zelt stehen und laufen mehr oder weniger weglos auf die nahe Bergkette. Hier soll sich eine Herde Caribous aufhalten, ein vom Aussterben bedrohtes Rentier. Leider sehen wir weder Caribous noch Bären, aber schön war es trotzdem. Nach einer weiteren kalten Nacht bauen wir am nächsten Morgen das Zelt ab und begeben uns auf den Weg zum Amethyst Lake.

Ramparts im SonnenaufgangEs ist den ganzen Tag bewölkt, immer wieder regnet oder schneit es, der Matsch macht das Vorankommen schwer. Am Ufer des Sees haben wir dann doch Glück und sehen Caribous mit Jungtier. Gegen Nachmittag erreichen wir das Surprise Point Camp, überlegen kurz ob wir uns im See waschen, verwerfen den Plan aber aufgrund der Kälte schnell wieder. Abends regnet es, nachts ist es kalt, und am nächsten Morgen ist das Zelt mit einer Eisschicht überzogen; uns vergeht die Lust am Zelten. Jedoch lohnt sich das frühe Aufstehen, denn die ersten Sonnenstrahlen werfen ein unglaublich schönes Licht auf die Berge und das das ganze Tal. Aufgrund der Kälte entscheiden wir die folgende Nacht ein tiefergelegenes Camp anzusteuern statt noch einmal auf über 2.000m zu übernachten.

Fast geschafft!Das wärmende Frühstück gibt Kraft und wir brechen auf ins Eremite Valley, ein Abstecher der uns zuvor sehr ans Herz gelegt wurde. Am Ende des langgezogenen Tals ragen beeindruckende Gletscher auf, doch es ist dort sehr windig und kalt. Nach einer kurzen Pause gehen wir zügig zurück zum Chrome Lake. Über einen extrem schlammigen Weg steigen wir weiter ab und erreichen ausgepowert das Astoria Camp. Schlechte Nachricht: es gibt keine freien Zeltplätze mehr (wir hatten ja im höher gelegenen Clitheroe Camp reserviert). Das bedeutet noch einmal 7km marschieren, und zwar schnell, denn es wird bald dunkel. Unterwegs treffen wir zwei Amerikaner die uns freundlicherweise noch zurück zu unserem Auto fahren. Abends hätten wir vermutlich keinen Bus mehr bekommen. So werden also aus den geplanten 4 Übernachtungen nur 3, doch als wir abends im warmen Bett liegen, sind wir darüber nicht unglücklich.

Fazit: Leider hatten wir keinen einzigen Tag schönes Wetter. Das Tonquin Valley extrem schön, aber wir haben leider viel zu wenig davon gesehen. Auch aufgrund der Kälte und des Schlamms konnten wir es nicht zu 100% genießen. Die Einsamkeit und die Wildnis sind aber ein tolles Erlebnis, ich empfehle es definitiv jedem fitten Jasper-Besucher weiter!

Banff Nationalpark

Wilcox PassDer Icefields Parkway, die Verbindung zwischen den Nationalparks Jasper und Banff, wird oft „schönste Straße der Welt“ genannt. Zu Recht! Berge, Flüsse, Gletscher, die Landschaft hat hier alles zu bieten, und man kann das alles direkt aus dem Auto, oder den vielen Parkbuchten, genießen. Der touristische „Höhepunkt“ ist das Columbia Icefield, von wo aus man mit riesigen Bussen direkt auf den Athabasca Glacier fahren kann. Den Rummel umgehen wir geschickt und machen stattdessen eine gemütlich Wanderung zum Wilcox Pass. Direkt gegenüber dem Gletscher kann man den sagenhaften Ausblick ganz ohne Trubel genießen.

Biken in BanffAuf dem weiteren Weg nach Banff machen wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Lake Louise. Den See und das furchtbar hässliche Luxushotel schauen wir nur kurz an, dann flüchten wir lieber wieder vor dem Massentourismus. Banff ist deutlich größer als Jasper und viel voller. Wir wohnen im Hostel Banff Alpine Center, Hotels sind (zumindest mit unserem Budget) unbezahlbar. Restaurant-Empfehlung: Nourish Bistro. Ein rein vegetarisches Restaurant welches auch mich als Fleischesser so sehr überzeugt hat, dass wir zweimal dort waren. Tiptop, jederzeit wieder!

Bow ValleyRund um Banff gibt es viele Mountainbike Trails die sehr gut ausgeschildert sind. Im Ort leihen wir uns Räder und machen die Wälder unsicher. Mir macht es extrem viel Spaß, aber Sanne ist wohl zu ängstlich dafür 😉 Daher machen wir am nächsten Tag wieder etwas Altbewährtes: Wandern. Hoch über dem Bow Valley laufen wir zum Cory Pass und umrunden den Mount Edith. Eine schöne Tour mit herbstlichem Ambiente, und am Ende anstrengender als geplant. Die Höhenmeterangaben in kanadischen Wanderführern sind mit Vorsicht zu genießen!

Den Plan eine weitere mehrtägige Tour zu machen haben wir trotz der Kälte in Jasper und im Tonquin Valley noch nicht verworfen. Das Wetter ist seit Tagen schön und es fühlt sich viel wärmer an, dennoch planen wir vorsichthalber nur eine Übernachtung ein. Nach einer kurzen Beratung im Tourist Office entscheiden wir uns für eine Tour zum Egypt Lake.

Egypt Lake

Simpson PassFrüh am Morgen lassen wir Banff hinter uns und fahren zum Skigebiet Sunshine Valley. Auf dem Parkplatz der Gondel stellen wir das Auto ab und laufen los. Es ist noch recht kalt aber sonnig und bald sind wir im T-Shirt unterwegs. Der Weg zum Healy Pass beginnt unspektakulär, denn wir laufen die ganze Zeit in dichtem Wald und sehen kaum etwas von der Umgebung. Nach ca 1,5h erreichen wir den Healy Creek Campground, hier eröffnet sich uns zum ersten Mal ein schöner Blick. Wir gehen weiter in Richtung Healy Pass, und sobald wir die Baumgrenze hinter uns lassen, sind wir überwältigt von der herbstlichen Landschaft. Wunderschöne Seen, bunte Bäume und tolle Berge – und kein Mensch weit und breit!

Pharaoh RangeOben am Healy Pass ist es windig und kalt, doch wir finden ein geschütztes Plätzchen für die wohlverdiente Pause. Der Ausblick in Richtung Mt. Assiniboine („das Matterhorn der kanadischen Rockies“) ist fantastisch. Der Abstieg zum Egypt Lake ist steil, aber nicht sonderlich schwer. Das Egypt Lake Camp ist, im Vergleich zu denen im Tonquin Valley, sehr groß und fast schon luxuriös. Es gibt zwei abschließbare (!) WCs mit Sichtschutz (!!). Außerdem kann man hier nach Voranmeldung in einer einfachen Hütte übernachten um der Kälte zu entgehen.

Scarab LakeInsgesamt gibt es hier drei Seen die alle übereinander liegen: Egypt Lake, Scarab Lake, und Mummy Lake, dahinter die Pharaoh Peaks. Kreativ waren sie ja schon die kanadischen Entdecker 😉 Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, machen wir uns auf den Weg zum Egypt Lake. Die Sonne scheint und es ist warm, doch statt zu baden beschließen wir zum höhergelegenen Scarab Lake zu laufen. Dazwischen liegen leider einige Höhenmeter und es ist deutlich anstrengender als geplant. Doch es lohnt sich, der Scarab Lake ist sehr schön, der Blick hinunter zum Egypt Lake noch besser. Für den Mummy Lake fehlt uns allerdings die Zeit, denn die Sonne verschwindet schon langsam hinter den Bergen und es wird deutlich kühler.

Herbst am Healy CreekAbends ist es nicht ganz so kalt wie im Tonquin Valley, so können wir uns mit den anderen Campern unterhalten. Insgesamt sind etwas mehr als die Hälfte der 15 Plätze belegt. Aber als die Sonne dann gänzlich verschwindet, verziehen sich dann doch alle recht schnell ins Zelt. Die Nacht ist wieder ziemlich kalt und wir sind froh dass es die einzige auf der Tour bleibt. Am nächsten Tag gehen wir fast denselben Weg wieder zurück zum Auto, lediglich einen kleinen Umweg über den Simpson Pass nehmen wir noch mit. Danach lassen wir Alberta hinter uns und fahren über den Yoho Nationalpark nach Golden, British Columbia.

Fazit: Der Egypt Lake Trail ist der beliebteste Trail in Banff, und wir wären gerne länger in der Gegend geblieben. Trotz der kalten Nächte war der Campingplatz relativ gut besucht, im Sommer ist hier sicher sehr schnell alles ausgebucht. Wir hatten absolutes Traumwetter und die herbstlichen Verhältnisse sind wunderschön. Das Tonquin Valley in Jasper bietet deutlich mehr Abgeschiedenheit, hier kann man aber mehr mit den Routen variieren und hat etwas mehr „Komfort“.

Golden und Yoho Nationalpark

Emerald LakeDer Ort Golden ist nicht schön, zum Großteil besteht er aus Güterbahnhof und Industrie. Unsere Unterkunft liegt Luftlinie sehr zentral, nur leider hat keiner eine Brücke von dort über den Fluss gebaut, so fahren wir mehrmals täglich über eine holprige Schotterpiste 20 Minuten ins Zentrum oder auf die Autobahn. Westlich von Golden liegt allerdings das Skigebiet Kicking Horse Mountain, und dort kann man einiges unternehmen. Primär ist das Gebiet im Sommer ein Eldorado für Downhill Mountainbiker. Allerdings hat Sanne von Banff noch genug vom biken, und wir fahren stattdessen mit der Gondel auf den Gipfel um dort für eine Gratwanderung an der Terminator Ridge. Man kann dort auch einen Klettersteig machen, allerdings nur geführt worauf wir keine Lust hatten. Die Wanderung war schön, die Aussicht aufgrund des Nebels leider nicht.

Mt. Burgess und Emerald LakeAls letzte größere Wanderung des Urlaubs entscheiden wir uns für eine ausgedehnte Tour am Emerald Lake im Yoho Nationalpark. Der türkisgrüne See ist ein beliebtes Ziel im Nationalpark, doch wie immer ist man auch hier relativ alleine unterwegs sobald man sich ein paar Meter vom Parkplatz entfernt. Vom See steigen wir zum Yoho Pass auf, queren unterhalb des Wapta Mountain zum Burgess Pass und steigen wieder hinab zum See. Der Blick von oben auf den Emerald Lake ist eines der eindrucksvollsten Bilder des gesamten Urlaubs in Kanada, alleine dafür lohnt sich die mit 20km nicht ganz kurze Rundtour.

Vancouver

Vancouver DowntownDie Fahrt von Golden nach Vancouver ist lang und unspektakulär. Gegen Abend erreichen wir unser Airbnb-Appartment in der Innenstadt, finden aber keinen Parkplatz in der Nähe. Da wir das Auto in der Stadt sowieso nicht brauchen, fahren wir zum Flughafen und geben es dort zwei Tage früher wieder ab. Sightseeing machen wir vor allem im Boot (Water Taxis sind dafür sehr empfehlenswert) und per Fahrrad. Besonders gut gefallen uns dabei Granville Island, Stanley Park und die Strände im Westen der Stadt.

Kajaken im Indian ArmMit dem Bus fahren wir außerdem noch zur Deep Cove im Nordosten von Vancouver und mieten uns dort für 3 Stunden ein Kajak um die Bucht Indian Arm zu erkunden. Das ist richtig toll und wir sind froh das gemacht zu haben statt eines Besuchs der überlaufenen Ziele Grouse Mountain und Capilano Suspension Bridge Park. Die letzten Stunden vor dem Rückflug verbringen wir noch im Vancouver Aquarium um Pinguine zu bestaunen und Rochen zu streicheln (!).

Am Ende bleibt mir nur, frei nach Janosch, zu sagen: Oh wie schön ist Panama Kanada! 
Wir kommen wieder, keine Frage 😎