Hardangervidda Tag 4 – Von Garen nach Vivelid

9. August 2014

Der Aufenthalt auf dem Campingplatz Garen ist super, wir nutzen alle Annehmlichkeiten voll aus und vertrödeln die Zeit. Ich bin etwas appetitlos, mein Nuss-Müsli mit Milchpulver-Milch will nicht so recht runter, aber ich weiß dass ich die Energie brauche. Gestern abend gab es Chili con Carne als Trekkingmahlzeit, mit Abstand das schlechteste Essen der Tour und deutlich unter dem Standard der anderen Trek’n’eat Gerichte.- Da ich das nicht geschafft habe muss jetzt das Müsli rein, auch wenn es schwer fällt. Gegen 10Uhr sind wir fertig und machen uns auf den Weg, heute wollen wir nach 3 Tagen endlich den Nationalpark Hardangervidda betreten! Das Ziel ist noch nich genau definiert, irgendwo zwischen Vivelid und Hedlo wollen wir ein Plätzchen finden. Der Wetterbericht verheisst nicht gutes, es soll in den nächsten Tagen sehr stürmisch werden, an der Küste und in Bergen herrscht sogar Unwetterwarnung!

P1010711Zunächst einmal müssen wir ein Stück an der Straße entlang bergab laufen bis nach ca 1km hinter der Leitplanke der DNT-Weg nach links abbiegt. Wir überqueren einen reißenden Fluss über eine feste, stabile, nicht wackelnde Brücke – das ist mal eine willkommene Abwechslung! Dann geht es eigentlich die ganze Zeit an der Bergflanke entlang leicht bergauf. Richtig große an- oder Abstiege stehen heut nicht auf dem Programm, die Strecke ist auch nicht so lang. Eigentlich eine ganz gute Etappe um es etwas ruhiger angehen zu lassen. Nach einer guten Stunde erreichen wir eine kleine Hütte (Skitsete) wo sich der Weg gabelt. Wir laufen rechts den Berg hoch obwohl es keine Markierungen gibt, es ist aber richtig so.

P1010716Ab jetzt bekommen wir die stürmische Wettervorhersage mit voller Wucht zu spüren. Zuvor sind wir durch einen kleinen Wald gelaufen, jetzt gibt es keine Vegetation mehr und wir sind dem Wind schutzlos ausgeliefert. Die nächsten Stunden laufen wir permanent immer gegen den Wind. Es ist kalt und man kann kaum die Augen offenhalten, der Gegenwind zerrt am schweren Rucksack. Vorbei am Berg Hallingehauge geht es immer weiter Richtung Berastol, einer kleinen Siedlung mit 3-4 Häusern. Erst kurz vor Berastol steigen wir ab ins Tal und entkommen zumindest ein bisschen dem Wind, leider fängt es dafür an zu regnen. Die Motivation schwindet mehr und mehr, auch die Kräfte lassen nach obwohl die Tour bisher ziemlich kurz war. Der ständige Gegenwind ist einfach unglaublich anstrengend.

P1010721In Berastol müssen wir entscheiden ob wir nach Vivelid oder direkt nach Hedlo wollen. Aufgrund der Erschöpfung entscheiden wir uns für das nähere Vivelid, offen bleibt die Frage: Zelten bei Sturm oder festes Dach über dem Kopf. Die Entscheidung wird vertagt, wir gehen zunächst einmal weiter. Wir sehen in der Ferne einen Parkplatz mit vielen Autos, es ist der letzte vor dem Nationalpark, scheinbar nutzen das viele für Tagesausflüge denn wir begegnen unverhältnismäßig vielen Leuten. Wir treffen hier in einer Stunde so viele Wanderer wie an allen anderen Tagen zusammen. Wir folgen den Markierungen die uns östlich am See Lomatjorn entlang führen obwohl Vivelid eigentlich am Westufer liegt. Das ist am Ende etwas ärgerlich, denn wir laufen im Prinzip am Ort vorbei nur um auf der andere Seite wieder zurück müssen. Allerdings haben wir zuvor keine Abzweigung gesehen.

P1010728Als wir Vivelid erreichen beschließen wir in der Hütte zu übernachten falls es noch Platz gibt. Das Wetter hat sich zwar gebessert, aber wir sind beide unfassbar kaputt. Also steuern wir das erste Haus an, was, wie sich herausstellt, nicht die DNT-Hütte sondern eine private Unterkunft ist. Dort werden wir sehr freundlich und etwas ungläubig empfangen, die Dame rechnete wohl nicht mit Kundschaft da aufgrund der Unwetterwarnung alle Norweger ihre Übernachtungen storniert haben. So bekommen wir an einem Samstag ein kleines Haus für uns alleine, mit eigener Küche, Doppelzimmer und einem Aufenthaltsraum mit Kamin und Feuerholz. Ganz klar: Der Himmel auf Erden 🙂 Außer uns sind noch ganze zwei weitere Gäste da, die haben das andere Haus für sich allein bekommen. Da gestern im Campingplatz das Bier so günstig war versuchen wir unser Glück noch einmal, was in meinem bisher teuersten Feierabendbier endet: 10€ für eine 0,5l Dose. Schmecken tuts, aber es bleibt trotzdem das letzte Bier auf der Tour. Nach einer herrlichen heißen Dusche verziehen wir uns ins warme Kaminzimmer und schöpfen neue Kräfte für die nächsten Tage.

Im Nachhinein betrachtet war die heutige Tour tatsächlich nicht sehr anspruchsvoll, es wurde nur durch den unablässigen Gegenwind extrem anstrengend. Am Ende sind wir froh in Vivelid eine perfekte Unterkunft gefunden zu haben.


Vorherige EtappeNächste Etappe