Drei Tage im Tannheimer Tal

16. August 2016

Ein Kletterwochenende im Tannheimer Tal das wortwörtlich ins Wasser fällt. Wir sind drei Tage im Gimpelhaus, gehen aber aufgrund des Regens mehr zum Wandern als Klettern. Für eine Mehrseillängen-Tour am Hüttengrat reicht es dennoch, auch Rote Flüh und Krinnenspitze besteigen wir erfolgreich.

Gewichtsoptimierte Anreise

Rote Flüh vom Tannheimer TalWir werden am Wochenende insgesamt 6 Personen sein, Sanne und ich wollen hauptsächlich klettern, die anderen wandern. Da bietet sich das Gimpelhaus als Stützpunkt an, jeder findet dort genug Auswahl für die nächsten drei Tage. Zu viert fahren wir in München los und erreichen, trotz Ferienbeginn, nach zwei Stunden staufrei das Tannheimer Tal. Der offizielle Parkplatz des Gimpelhauses ist schon total überfüllt, aber an der Seilbahn „Krinnenalpe“ gibt es noch mehr als genug Platz. Hoch über uns sehen wir schon das Gimpelhaus und freuen uns, dass es gleich losgeht. Ein nervöses „Oh oh…“ von Simon lässt diese Pläne schnell platzen: Er hat seine Bergschuhe Zuhause stehen lassen. Glücklicherweise gibt es an der Seilbahn einen Sportladen, sowohl Auswahl als auch Beratung sind gut, und mit etwas Verzögerung geht es dann mit brandneuen Stiefeln los. Der Satz der in solchen Fällen vermutlich immer fällt, darf auch hier nicht fehlen: „Ich wollt ja eh schon lang neue…“.

EdelweißDer Aufstieg zum Gimpelhaus ist unspektakulär. In schier endlosen Serpentinen schlängelt sich der Pfad steil durch den Wald empor. Das Wetter ist heute noch traumhaft, entsprechend ist auch sehr viel los. Die meisten Wanderer sind aber Tagestouristen, kaum einer hat einen größeren Rucksack dabei. Meiner hingegen ist bis oben hin voll mit Kletterausrüstung, und während ich so aufsteige, frage ich mich ob Kletterseile und Karabiner wohl selektiv stärker von der Gravitation beeinflusst werden?! Jedenfalls erreichen wir gegen 11.30Uhr das Gimpelhaus, ich bin total platt und muss erst mal was trinken und kurz verschnaufen.

Klettern am Hüttengrat

Am Einstieg des HüttengratsDas Tannheimer Tal liegt unter uns, hinter uns erheben sich die Gipfel die es zum Kletterparadies machen. Da heute der schönste Tag des Wochenendes sein soll, wollen wir das nutzen und machen uns auf den Weg. Da es mittlerweile schon 12 Uhr ist, wir vorher nochmal ein paar Trockenübungen machen, und uns nicht übernehmen wollen, fällt die Routenwahl auf den Hüttengrat (IV+, 5 Seillängen). Nach 20 Minuten stehen wir am Einstieg, die abgestellten Schuhe deuten auf eine weitere Seilschaft hin, die wir aber nicht sehen und daher schon etwas weiter oben vermuten. Nachdem die grundlegenden Handgriffe nochmal wiederholt wurden geht es los.

Genussklettern purDie Kletterei ist überwiegend schön und bei weitem nicht so brüchig wie man in manchem Bericht liest. Etwas Vernunft bei der Griff- und Trittwahl muss man schon walten lassen, aber das sollte im alpinen Gelände Standard sein. Die Route ist durchgehend sehr gut gesichert (wenn man die Haken nicht übersieht), an den Ständen ist immer genug Platz. In der letzten Seillänge haben wir etwas Probleme mit der Wegfindung: die Topo sagt hier „links um die Kante“, vom Stand weg muss man allerdings zunächst gerade hochklettern (Bohrhaken erst spät zu sehen) und erst dann nach links. Ansonsten funktioniert alles sehr gut und wir kommen zufrieden oben an. Die vorherige Seilschaft war langsamer als wir und steckt jetzt noch mitten in der Abseilpiste, das gibt uns Zeit für eine wohlverdiente Pause mit schönem Blick übers Tannheimer Tal und in das Gamskar.

Genuss nach dem KletternIm Gegensatz zur Kletterroute ist die Abseilpiste ziemlich schlecht. Insgesamt dreimal muss abgeseilt werden (50m Halbseile reichen dafür sehr gut aus), die Stände sind auch hier vorbildlich markiert und eingerichtet. Leider liegt in allen drei Längen sehr viel Schutt, Steinschlag ist quasi nicht zu verhindern! Dazu ist die zweite Seillänge so flach, dass man die Seile nicht richtig auswerfen kann und sie ständig irgendwo liegen bleiben. Aber auch das meistern wir und kommen sicher und zufrieden wieder am Ausgangspunkt an. Unsere erste selbstständig geplante und durchgeführte Mehrseillängen-Tour! 🙂

Schneetaler Alm und Rote Flüh

Regen im Tannheimer TalAm Sonntag ist das Wetter wie angekündigt schlecht. Die Vorhersage prophezeit eine Regenpause zwischen 10 und 14 Uhr, die wollen wir wenigstens für eine Wanderung nutzen. Also brechen wir nach dem Frühstück auf um eine kleine Runde Richtung Schneetaler Alm zu laufen. Zunächst regnet es noch leicht, doch schon kurz nach der, momentan geschlossenen, Tannheimer Hütte hört es auf. Über Hoch- und Tiefjoch erreichen wir die Schneetaler Alm, gehen von dort aber direkt weiter und zurück zum Gimpelhaus. Nach ca. 3h ist die kurze und leichte Tour auch schon wieder vorbei, aber das Wetter hat tatsächlich gehalten.

Regen im LechtalDa wir nicht den ganzen Tag auf der Hütte sitzen wollen, beschließen wir mittags noch die Rote Flüh zu besteigen. Die Regenausrüstung haben wir bereits an, so brauchen wir nur einen kleinen Rucksack mit etwas Wasser. Geplant ist den Gipfel möglichst schnell zu erreichen bevor das Wetter nachmittags noch schlechter wird. Bei schlechter Sicht steigen wir übers Gamskar zur Judenscharte auf, wo sich der Nebel etwas lichtet. Der Aufstieg zur Roten Flüh erfordert leichte Kletterei, diese erfordert bei Nässe  etwas Konzentration, ist aber insgesamt problemlos. Nach 50 Minuten stehen wir am Gipfel (das Schild hatte 1,5h ausgewiesen) und genießen unverdeckten den Blick ins Tannheimer Tal. Kurz darauf beginnt es aber stärker zu regnen und wir steigen vorsichtig wieder ab zum Gimpelhaus.

Krinnenspitze

Blick Richtung GimpelAuch der Montag beginnt verregnet, an Klettern ist leider erneut nicht zu denken. Da uns auch die (leichten) Wanderungen rund ums Gimpelhaus ausgehen, beschließen wir ins Tannheimer Tal abzusteigen. Dort deponieren wir die Ausrüstung im Auto und machen uns erneut mit leichtem Gepäck auf den Weg. Das Ziel: Die Krinnenspitze auf der anderen Seite des Tannheimer Tals. Auch hier wieder der Plan: Schnell rauf und schnell runter bevor es gegen Nachmittag anfängt stark zu regnen. Gesagt getan, wir halbieren auch heute wieder über den Gamsbocksteig die angeschriebene Zeit und stehen gegen Mittag am Gipfel. Man hat hier einen tollen Blick übers Tannheimer Tal und zu den gegenüberliegenden Roten Flüh und Gimpel. Leider ist es sehr windig und kalt, so steigen wir schnell wieder über den Alpenrosensteig ab zur Krinnen Alpe. Nach einer kurzen Stärkung (Germknödel und Kaiserschmarrn) geht es runter zum Auto und zurück nach München.

Fazit: Ich wäre gerne viel mehr geklettert, aber das war bei der Nässe einfach nicht drin. So haben wir immerhin ein paar stramme Wanderungen gemacht, die trotz des Wetters richtig schön waren. Wir haben das Beste aus den 3 Tagen gemacht, nächstes mal haben wir sicherlich mehr Glück!